Nördliches Mitteljütland/Nordsee

Dünengras
Wenn man auf die Europakarte schaut, erscheint eine Reise nach Dänemark oder nur Schleswig-Holstein unendlich weit. Voller Begeisterung habe ich festgestellt, dass es von Berlin aus alles in machbarer Zeit zu erreichen ist. Dank A 24 sind es nach Lübeck nur knapp 300 km, nach Kiel oder Rendsburg um die 350 km, an die dänische Grenze nur 400 km; naja und nach Lemvig im Norden Mitteljütlands sind es dann aber doch 700 km.
Nach unvorhergesehener Rast in Rendsburg am Nord-Ostsee-Kanal statt an meiner Lieblings-Allee bei Emkendorf – Stauumfahrung -, erreichten wir unseren Zielort Vrist bei Lemvig und das dortige Ferienhaus, 500m vom Nordseestrand entfernt, nach gut acht Stunden.
Strandblick
Im Sommer ist es ferientechnisch schöner als in Nordfriesland, da man dort oben gleich an der offenen See ist. Man hat nicht bei Ebbe nur Watt oder kilometerweite Wanderungen am Strand wie etwa an der Westküste von Amrum. Vergleichbares gibt es in Nordfriesland nur an der Westküste der Insel Sylt.
Strandblick
Vrist selbst ist eine reine Ferienhaussiedlung, die man hinter dem Dünengürtel einfach in die Landschaft geklascht hat. Man hat aber immerhin darauf verzichtet, die Blockhütten in Reih und Glied aufzustellen und identische Architektur oder Größe zu verlangen. Einzelne Backsteinhäuser mit Reetdach gibt es auch, so dass sich alles mit Heckenrosen und Heidekraut in einer etwas buckligen Heidelandschaft recht malerisch ausnimmt. Heckenrosen
Unwetterstimmung
Das Wetter war die ersten drei Tage richtig garstig. Aber das sollte niemanden davon abhalten, an die Nordsee zu fahren. Mit ein paar Tagen schlechtem Wetter muss man immer rechnen und ein dicker Pullover, Wetterzeug und Gummistiefel sind immer bereitzuhalten. Brandung Auf der anderen Seite kann ich mich nicht erinnern, in 20 Jahren Nordsee-Sommerferien einen solchen Sturm erlebt zu haben – zwei ganze Sommer in Schleswig-Holstein hatte es nicht einen Tag geregnet (1992 und 1994). Sturmistabgezogen
Ich finde es ja Klasse, wenn es mal richtig stürmt (ich schätze Windstärke 6-7 in Böen 10/11) und nachts der Wind ums Haus pfeifft. Für Kinder ist das aber wohl nicht so toll und sie blieben dann auch im Haus (Gesellschaftsspiele/Computer/Fernseher), während die beiden Hunde mit raus mussten. AjaxmitStrandgut An einem Tag waren dann aber sogar die Hunde nicht begeistert, haben sich aber im Endeffekt wacker geschlagen.
AjaximSturm
Hunde sind in Dänemark von April bis September grundsätzlich an der Leine zu führen. Um sie laufen zu lassen, gibt es Hundeauslaufgebiete – sog. Hundeskove – über ganz Dänemark verstreut. Soll es anderen Orts richtig große abgezäunte Bereiche – auch mal 9 ha -geben, war das Hundeskove südöstlich von Lemvig zwar nur mäßig groß, aber mitten im Wald mit netten Pfaden und ganz lauschig. ImHundeskove Wenn ich da an Berlin denke! Außer im Grunewald sind die Hundeauslaufgebiete zwar nette Hundespielplätze aber sicher keine Auslaufgebiete! Man scheint hundefreundlicher zu sein als in Deutschland. Auch ausgewiesene Hundestrände und Hundeverbote – so etwa auf Sylt – gibt es nicht. Überhaupt lief der Hunde eigentlich immer unangeleint mit, außer bei schönen Wetter nachmittags am Strand. 1.Strandkontakt Allerdings fürchtete ich weniger Sanktionen, als es mir einfach zu peinlich gewesen wäre, mich für geklaute Bälle oder Schuhe zu entschuldigen. Drohte diese Gefahr nicht – morgens um 7.00, bei Sonnenuntergang oder Sturm – ging es wunderbar ohne Leine. Sonnenuntergang Mondaufgang
Nach den ersten unheimlichen Begegnungen mit Salzwasser und Wellen ist Ajax nach dieser Woche sturm-, brandungs- und salzwasser erprobt.
Im Übrigen durfte Ajax die dem Deutsch-Drahthaar zugeschriebene Familientauglichkeit erproben und hat sie mit Bravour bestanden, waren wir doch bei Freunden mit vier Kindern zwischen eins und zwölf.TölchenimGarten
Interessant zuletzt die Feststellung, dass die Dänen auf dem Land scheinbar Jagdhunde mögen. Während die deutschen Urlauber mit allem möglichen vom Labrador bis zum Schäferhund-Mix unterwegs waren, gab es in unmittelbarer Nachbarschaft zwei Wachtelhunde und einen Deutsch-Drahthaar und im Supermarkt – am schwarzen Brett !! – wurden Deutsch-Drahthaar-Welpen angeboten.
In der Bilanz lässt sich festhalten: Da oben bei Lemvig, das ganz hübsch und malerisch ist, ist reichlich wenig los und kulturell hat der Landstrich wenig zu bieten. Wer aber Urlaub an der offenen Nordsee machen möchte, müsste in Deutschland schon auf Sylt zurückgreifen. Dort ist zwar deutlich mehr los, man kann in Nightclubs und das Casino besuchen sowie die Schickeria bewundern, hat dafür mit Hund zahlreiche Restriktionen zu beachten.
Ja und kostenmäßig? Ich war zwar seit 10 Jahren nicht mehr auf Sylt, aber: Überfahrt nach Sylt (Autozug oder Fähre) stehen einer größeren Entfernung gegenüber. Ferienunterkünfte dürften auf Sylt teurer sein; dafür sind vor allem Genussmittel und Lebensmittel in Dänemark mit Ausnahme von Fisch richtig teuer.
Nun prüfe ein jeder seine Präferenzen!
Wer es übrigens mit dem Wetter nicht so genau nimmt, dem kann ich vor allem die Nordsee in der Nebensaison ans Herz legen!

[ssba]

The author

"Visionen ersinnen & vordergründig Unvereinbares verbinden", diskussionsfreudige Brückenbauerin & Erklärbär, social media- und rechtsaffine Journalistin, Jagdhund-Liebhaberin und Jägerin

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